Donges sagt „Tschüss“

Nach 15 Jahren an der Ederseeschule: Leiter wird in den Ruhestand verabschiedet

Von Julia Renner

Vöhl-Herzhausen. Nach gut 15 Jahren als Leiter der Ederseeschule in Herzhausen wird Richard Donges am Donnerstag, 29. Juni, verabschiedet. Donges wird frühzeitig in den Ruhestand gehen – und damit Klassenzimmer gegen Fahrrad eintauschen.

Ederseeschule Herzhausen Abschied Schulleiter Richard Donges

„Ich werde mit einem Gefühl der Trauer gehen, bin aber auch erleichtert, dass Druck und Verantwortung von mir fallen“, sagt der 62-Jährige. „Ich freue mich auf die freie Zeit.“

2002 startete er als Schulleiter an der Ederseeschule, die er sich ganz bewusst ausgesucht hatte, wie er berichtet. „Das System war überschaubar, es gab unterschiedliche Schulformen – es war eine gute Entscheidung, hierher zu kommen“, sagt er.

Geboren und aufgewachsen ist Donges in Biedenkopf-Wallau, wo er auch sein Abi machte. Nach dem Wehrdienst studierte er in Gießen Sozialkunde mit den Schwerpunkten Deutsch und Politik, in Frankfurt außerdem Arbeitslehre. „Den Wunsch, Lehrer zu werden, hatte ich spätestens ab der zwölften Klasse“, erinnert er sich. „Ich habe immer gern mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet.“ Seine Lehrer in der Oberstufe hätten viel Elan gehabt, waren Vorbilder. Sein Referendariat machte er am Studienseminar Reinheim, seine Ausbildungsschule war in Groß-Bieberau.

Allerdings: Nach dem Referendariat, 1980, gab es in Hessen einen Einstellungsstopp für Lehrer. Deshalb ging es zunächst für etwas mehr als sieben Jahre an eine Hauptschule nach Berlin. Seine erste Klasse habe ausschließlich aus Palästinensern bestanden, der Ausländeranteil an der Schule habe bei 70 Prozent gelegen. Eine anstrengende Zeit, aber die Erfahrungen wolle er heute nicht mehr missen.

Immer wieder hat Richard Donges Versetzungsanträge gestellt, wollte zurück nach Hessen. 1988 wurde er schließlich Konrektor an der Grund- und Hauptschule Hatzfeld, zog mit seiner Familie nach Frankenberg, wo er bis heute lebt. „Die Ruhe im Vergleich zu Berlin war unglaublich.“ Auch in Hatzfeld blieb er etwas mehr als sieben Jahre. Als die Schule verkleinert wurde, wurde Donges nach Gemünden an die Cornelia-Funke-Schule versetzt. Nach sechseinhalb Jahren als zweiter Konrektor folgte schließlich der letzte Wechsel: an die Ederseeschule.

Die Schüler, so sagt er, werden ihn sicher als strengen Lehrer bezeichnen. Ihm sei es immer wichtig gewesen, gerecht zu sein. Und auch auf Werte wie Freundlichkeit habe er stets geachtet.

Am 29. Juni wird er offiziell in der Schule verabschiedet. In den Ferien wird er noch ab und zu an seinem Schreibtisch sitzen, doch dann ist Schluss. „Ich habe immer sehr strukturiert gelebt. Jetzt freue ich mich auf weniger Struktur“, sagt er. Mehr Zeit will er mit seiner Frau verbringen, aber auch mit seinen Kindern und Enkeln, die in Hamburg und Berlin leben. Auch Reisen stehen auf seinem Plan: Macht die Gesundheit mit, will er mit dem Rad in Etappen ganz Italien bereisen, zusammen mit seiner Frau.

Waldeckische Landeszeitung | KORBACH | 20.06.2017