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Jugend soll in Vöhl stärker mitreden

Kommunalpolitiker veranstalten Workshop an der Ederseeschule – Ziel ist ein Jugendbeirat

Vöhl-Herzhausen – Wie funktioniert Kommunalpolitik – und wie können sich Jugendliche konkret einbringen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Workshops an der Ederseeschule Herzhausen. Unter dem Titel „Jugendbeteiligung in der Gemeinde Vöhl“ kamen in der vergangenen Woche Gemeindevertreter, Kommunalpolitiker und Bürgermeister Karsten Kalhöfer mit den Klassen 8a und 8b ins Gespräch.

Der rund 90-minütige Workshop ist Teil einer größeren Beteiligungsaktion: Bereits zuvor nahmen die Siebtklässler teil, in dieser Woche folgen die Klassen 9 und 10. Ziel der Reihe ist es, Jugendliche frühzeitig an kommunalpolitische Prozesse heranzuführen und sie für eine aktive Mitwirkung zu gewinnen.

Organisiert und moderiert wurde die Veranstaltung von Gemeindevorstand Bernd Backhaus und der Politik- und Wirtschaftslehrerin Marlen Büddefeld. In einem großen Stuhlkreis brachte sie Schüler und Politiker zusammen. „Ihr müsst nicht lange zuhören – ihr werdet gleich selbst aktiv. Es geht um euch und eure Ideen für die Gemeinde Vöhl“, sagte Marlen Büddefeld zu Beginn.

Vertreten waren Kommunalpolitiker aus unterschiedlichen Parteien und Ortsteilen, darunter Bürgermeister Karsten Kalhöfer, der Vorsitzende der Gemeindevertretung Bernd Backhaus (SPD), Gerhard Henkel (Grüne Liste Vöhl), Heinrich Knoche als Bürger (Vertretung für die SPD), Heinrich Heidel (FDP), Matthias Kubat (CDU) sowie Inga Wiesemann (Freie Wähler). In kurzen Statements betonten sie die Bedeutung der Jugendbeteiligung. Kalhöfer machte deutlich: „Was wir im Rathaus und der Gemeindeverwaltung tun, tun wir für euch junge Menschen. Es geht um eure Zukunft in der Gemeinde.“ Bernd Backhaus formulierte das zentrale Ziel der Aktion: die Gründung eines Jugendbeirats mit Rederecht im Gemeindeparlament. „Jugendliche sollen ihre Interessen direkt in die Gemeindeverwaltung einbringen können“, sagte er.

Nach der Vorstellungsrunde bezogen die Schüler selbst Position: Sie zählten die 16 Ortsteile der Gemeinde Vöhl auf und ordneten sich anschließend nach ihrem Wohnort. Elf Ortsteile waren dabei vertreten. Anschließend stellten die Jugendlichen Fragen, die sie im Unterricht vorbereitet hatten. Diese reichten von Klimaschutzmaßnahmen über den Bau neuer Feuerwehrhäuser bis hin zu Nahversorgung, Digitalisierung und den Aufgaben von Gemeindevertretern. Backhaus strukturierte die Fragen thematisch.

Im zweiten Teil arbeiteten die Schüler in fünf Gruppen an zentralen Zukunftsthemen: 1. Klima und Erneuerbare Energien, Ökologie und Kommunikation; 2. Tourismus; 3. Bildung, Pflege, Gesundheit und Grundversorgung; 4. Qualifizierung, Ausbildung, Freizeit und Gastronomie sowie 5. Mobilität und Nahverkehr. An jedem Tisch diskutierten sie mit einem Kommunalpolitiker, bevor die Gruppen rotierten. Dabei brachten die Jugendlichen konkrete Vorschläge ein: Beim Thema Windkraft im Naturschutzgebiet etwa sprachen sie sich dafür aus, erneuerbare Energien zu nutzen, solange dafür keine Bäume gerodet werden. Im Bereich Tourismus regten sie eine wetterunabhängige Indoor-Anlage sowie einen Fahrradverleih für Touristen und Einheimische an.

Schulleiter Erik Wohlfart-Schüßler zog ein positives Fazit und bedankte sich bei den Organisatoren. „Es ist toll zu sehen, wie engagiert sich die Schülerinnen und Schüler einbringen“, sagte er. Bürgermeister Kalhöfer betonte abschließend den parteiübergreifenden Ansatz: In der Gemeindevertretung gehe es nicht um Parteizugehörigkeit, sondern darum, gemeinsam das Beste für Vöhl zu erreichen. Als nächstes größeres Projekt nannte er den geplanten Bau eines neuen Feuerwehrhauses in Buchenberg.

Die im Workshop gesammelten Fragen und Vorschläge werden nun zusammengetragen. Eine Folgeveranstaltung steht am 10. März um 14 Uhr in der Henkelhalle im Ortsteil Vöhl an. Eingeladen sind alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 12 bis 21 Jahren aus der Nationalparkgemeinde. Langfristiges Ziel ist die Einrichtung eines Jugendbeirats. Dort sollen junge Menschen lernen, „wie Demokratie funktioniert, wie man Entscheidungen durch politische Gremien bringt und wo man Zuschüsse beantragen kann“, erklärte Bernd Backhaus.

Bericht: Waldeckische Landeszeitung/Julius Köhler
Fotos: Waldeckische Landeszeitung/Julius Köhler und Frau Büddefeld

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