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Theaterstück über das Schicksal eines Vöhler Juden

Schüler der Ederseeschule zeigen am Wochenende die Aufführung „Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen!“

Vöhl – Schülerinnen und Schüler der Ederseeschule Herzhausen führen auf der Bühne der alten Synagoge in Vöhl ein Stück über Vöhler Juden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf. Am kommenden Freitag, 27. Februar, haben sie zwei Vorführungen für ihre Mitschüler im Programm.

Am Samstag, 28. Februar, sowie am Sonntag, 1. März, zeigen die Schüler jeweils um 19 Uhr in der Vöhler Synagoge das Ergebnis ihrer fleißigen Vorbereitungen der Öffentlichkeit – bei diesen beiden Aufführungen kostet der Eintritt vor Ort zehn Euro.

Als Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage kooperiert die Ederseeschule schon seit vielen Jahren mit dem Förderkreis Synagoge in Vöhl. Das jetzige Theaterprojekt ist ein Novum. Ermöglicht wird es durch die Förderung durch das Netzwerk für Toleranz Waldeck-Frankenberg, das Mittel aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben“ und dem Landesprogramm „Hessen Aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“ zur Verfügung stellt.

Auf der Bühne wird das Schicksal eines Vöhler Juden gezeigt, der kurz nach der Jahrhundertwende geboren wird. Er besucht zunächst die jüdische Schule, ergreift den Kaufmannsberuf, betätigt sich im Sportverein als Fuß- und Faustballer sowie als Leichtathlet und gehört dem Männergesangverein und dem Burschenclub an. Er chauffiert Vöhler Kinder und die Damen in seinem Cabriolet, heiratet eine Christin und bekommt mit ihr ein Kind.

Dann jedoch ändert sich 1933 mit dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft vieles. Mannschaftskameraden und Sangesbrüder wenden sich von ihm ab, auch die Gemeinde macht ihm und seiner Frau das Leben schwer. Nach der Pogromnacht kommt er ins KZ Buchenwald, muss Deutschland verlassen, wird nach Kriegsbeginn wieder aufgegriffen und erlebt eine Odyssee durch verschiedene Konzentrationslager, bevor er in Auschwitz getötet wird.

Liedermacherin und Sängerin Beate Lambert singt bei dem Stück zwei weltberühmte Lieder, eins von den Comedian Harmonists und eins von Friedrich Holländer. Zugegeben: Es ist ein Vöhler Stück. Aber das, was gezeigt wird, hat sich in vielen Dörfern und Städten Deutschlands so oder so ähnlich abgespielt. Es macht deutlich, wie wichtig Freiheit und Demokratie sind. Wie gefährlich ein Abgleiten in autoritäre oder gar diktatorische staatliche Strukturen wäre.

Regisseur Stephan Rumphorst hat das Stück für die Jugendlichen geschrieben, die während der Proben viel über die deutsche Geschichte und auch darüber gelernt haben, wie man sich auf der Bühne bewegt und wie man klar und deutlich rüberbringt, was man zu sagen hat.

Der Vöhler Heimatgeschichtler Karl-Heinz Stadtler, der das Projekt von Beginn an begleitet hat und dem Autor und Regisseur seine Rechercheergebnisse bezüglich der Vöhler Juden zur Verfügung stellte, versichert: „Alles ist wahr. Nichts ist erfunden!“

Rumphorst, Stadtler sowie Lehrerin Janine Thomas, die von der Ederseeschule mit der Begleitung des Projekts beauftragt wurde, sind begeistert von dem Elan und Engagement, mit dem die Schüler sich auf das Projekt eingelassen haben. Mit den schauspielernden Jugendlichen hoffen sie auf großes Interesse der Öffentlichkeit für die zwei öffentlichen Aufführungen am Samstag und Sonntag in der alten Synagoge.

Bericht und Foto: Waldeckische Landeszeitung

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